Die Akzeptanz für batterieelektrische Lkw in der deutschen Logistikbranche wächst deutlich – während Wasserstoff als Antriebstechnologie stark an Bedeutung verliert. Das zeigt eine aktuelle Studie des Öko-Instituts, für die mehr als 200 Logistikunternehmen befragt wurden. Die Ergebnisse markieren eine klare Verschiebung in der Technologiepräferenz der Branche gegenüber der letzten vergleichbaren Erhebung aus dem Jahr 2021.
Laut der Studie gehen 77 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass Elektro-Lkw bis 2030 entweder als Standard oder zumindest teilweise im Einsatz sein werden. 2021 rechneten lediglich fünf Prozent mit einem standardmäßigen Einsatz von E-Lkw bis zu diesem Zeitpunkt – ein signifikanter Anstieg innerhalb weniger Jahre. Beim Wasserstoff-Lkw kehrt sich das Bild um: Weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet noch mit dessen Einsatz bis 2030, verglichen mit rund 80 Prozent im Jahr 2021.
Wissenslücken bremsen den Hochlauf des E-Lkw
Trotz der wachsenden Bereitschaft hemmen erhebliche Wissensdefizite den tatsächlichen Markthochlauf. Weniger als ein Drittel der Unternehmen kann die Auswirkungen der Mautbefreiung für emissionsfreie Fahrzeuge auf die Betriebskosten korrekt einordnen – obwohl dieser Faktor die Gesamtnutzungskosten eines elektrischen Lkw im Vergleich zu einem Diesel-Lkw erheblich beeinflusst. Mehr als die Hälfte der Befragten hat diesen Kostenvergleich bislang gar nicht angestellt.
Auch bei der Ladeinfrastruktur zeigen sich Lücken im Planungswissen. Zwei Drittel der Unternehmen mit eigenem Depot kennen die verfügbare Netzanschlusskapazität ihrer Standorte nicht. Dabei sind die praktischen Voraussetzungen für den Einsatz von E-Lkw laut Studie oft günstiger als angenommen: Die Standzeiten in den Depots reichen bei der großen Mehrheit der Fahrzeuge aus, um die Batterien regelmäßig zu laden.
Ladeinfrastruktur bleibt zentrales Hindernis
Fehlende öffentliche Ladepunkte sind für jedes zweite befragte Unternehmen ein ausschlaggebender Grund, bislang keine elektrischen Lkw zu beschaffen. Die Elektro-Lkw-Ladestation – ob im Depot oder öffentlich zugänglich – bleibt damit eines der meistgenannten Hemmnisse auf dem Weg zur Antriebswende im Güterverkehr. Rund ein Viertel der Unternehmen mit eigenem Depot plant immerhin, in eine eigene Ladeinfrastruktur zu investieren.
Die Studie empfiehlt flexible Finanzierungsmodelle wie Leasing oder Finanzierungskauf, um die hohen Anfangsinvestitionen beim Kauf eines elektrischen Lkw abzufedern und technologische Risiken zu begrenzen. Unternehmen, die bereits praktische Erfahrungen mit E-Lkw gesammelt haben – sogenannte Early Adopter – zeigen laut Öko-Institut deutlich realistischere Einschätzungen und weniger Vorbehalte als Unternehmen ohne eigene Erfahrungswerte.
Branche bereitet sich vor – aber mit Zurückhaltung
Die Mehrheit der befragten Logistikunternehmen beschäftigt sich aktiv mit der Beschaffung batterieelektrischer Lkw. Konkrete Pläne für den Einsatz bis 2030 hat jedoch erst rund ein Drittel der Unternehmen. Die Studie macht deutlich, dass gezielte Information zu Kosten, regulatorischen Rahmenbedingungen und technischen Möglichkeiten entscheidend ist, um die Lücke zwischen wachsender Akzeptanz und tatsächlicher Beschaffung zu schließen.
Für die Erhebung nutzte das Öko-Institut eine quotierte Stichprobe, die Entscheidungsträger aus Unternehmen verschiedener Größen im Nah-, Regional- und Fernverkehr abbildet.