Ein einzelner Elektro-Lkw legt 1007 Kilometer in 24 Stunden zurück – mit einer Nennreichweite von rund 300 Kilometern. Hugelshofer Logistik aus der Schweiz zeigt, wie eine Flotte von 80 elektrischen Lkw täglich weit über 600 Kilometer pro Fahrzeug zurücklegt und dabei Betriebskosten erzielt, die rund 30 Prozent unter denen von Dieselfahrzeugen liegen.
Das Transportunternehmen mit Sitz in Frauenfeld nahe Winterthur betreibt insgesamt 220 Lkw, davon 80 rein elektrische. Täglich sind rund 150 Fahrerinnen und Fahrer mit E-Lkw unterwegs. Der Schlüssel liegt nach Unternehmensangaben nicht in der Batteriekapazität allein, sondern in einem ganzheitlichen Ansatz aus Fahrzeugeinsatz, intelligenter Tourenplanung und leistungsfähiger Ladeinfrastruktur.
Zwischenladen statt Reichweitenangst: Das Betriebskonzept der Elektro-Lkw
Hugelshofer setzt auf eine Zwei-Mann-Besetzung der Fahrzeuge, was eine hohe Fahrzeugverfügbarkeit ermöglicht. Während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen werden die Lkw zwischengeladen; nachts erfolgt eine vollständige Aufladung im eigenen Depot. Auf diese Weise übersteigt die tägliche Laufleistung die Nennreichweite der Batterien regelmäßig um ein Vielfaches.
„Nicht die maximale Reichweite des Lkw ist ausschlaggebend, sondern seine optimale Integration in den Transportablauf", erklärt Martin Lörtscher, CEO von Hugelshofer Logistik. Das Unternehmen stimmt Touren und Ladestrategien so aufeinander ab, dass die tägliche Einsatzzeit der Fahrzeuge maximiert wird. Die Reichweite der Elektro-Lkw wird damit zur planbaren Größe – nicht zur Einschränkung.
Ladeinfrastruktur in Frauenfeld als zentraler Erfolgsfaktor
Am Standort Frauenfeld betreibt Hugelshofer Logistik 30 Schnellladestationen mit einer Ladeleistung von bis zu 480 kW. Täglich können dort laut Unternehmensangaben bis zu 100 E-Lkw geladen werden. Ergänzt wird die Anlage durch eine Photovoltaikanlage mit einem Jahresertrag von rund 1,2 Millionen kWh sowie drei Transformatoren für eine stabile Netzversorgung.
Rund 95 Prozent aller Ladevorgänge finden direkt im eigenen Depot statt. Das verschafft dem Unternehmen Kontrolle über Kosten und Betriebszuverlässigkeit – ein Vorteil gegenüber einer Abhängigkeit von öffentlicher Elektro-Lkw-Ladestation-Infrastruktur.
Regulatorische Rahmenbedingungen stärken die Wirtschaftlichkeit
Die Betriebskosten der elektrischen Lkw liegen nach Angaben von Hugelshofer rund 30 Prozent unter denen vergleichbarer Dieselfahrzeuge. Dazu trägt neben der Betriebsstrategie auch das Schweizer Regelwerk bei: Die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) begünstigt emissionsfreie Antriebe gegenüber konventionellen Fahrzeugen erheblich.
Der Effekt zeigt sich in der Marktdurchdringung: In den ersten elf Monaten des Jahres 2025 lag der Anteil elektrisch angetriebener Fahrzeuge über 16 Tonnen in der Schweiz bei 14,7 Prozent – etwa fünfmal so hoch wie der europäische Durchschnitt von 1,9 Prozent. Zusätzlich plant der Schweizer Bundesrat für den Zeitraum 2026 bis 2030 ein Investitionsprogramm von 20 Millionen Schweizer Franken für den Ausbau der Lkw-Ladeinfrastruktur.
Das Beispiel Hugelshofer Logistik verdeutlicht, dass die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs weniger eine technische als eine organisatorische Herausforderung ist – und dass günstige Rahmenbedingungen den Unterschied zwischen Nische und Normalfall ausmachen können.