gtag('config', 'G-Z2FFJYPR8R', { 'anonymize_ip': true, 'allow_google_signals': false, 'allow_ad_personalization_signals': false }); Chinesische Elektro-Lkw-Hersteller auf dem Vormarsch: IG …

Chinesische Elektro-Lkw-Hersteller auf dem Vormarsch: IG Metall warnt vor Jobverlusten in Deutschland

IG Metall warnt: Chinesische Elektro-Lkw-Hersteller dringen schneller als erwartet in Europa vor. Was eine Fraunhofer-Studie zeigt – und was Betriebsräte jetzt fordern.

Die IG Metall Baden-Württemberg schlägt Alarm: Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zeigt, dass chinesische Lkw-Hersteller ihren Markteintritt in Europa erheblich beschleunigt haben – mit möglichen Folgen für Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland. Ohne entschlossene politische Gegenmaßnahmen drohe insbesondere dem Industriestandort Baden-Württemberg ein substanzieller Verlust an industrieller Kompetenz.

Hersteller wie SANY, Foton und FAW sowie neue Akteure wie das 2022 gegründete Start-up SuperPanther bauen gezielt Partnernetzwerke, eigene Produktionsstandorte und Vertriebs- sowie Servicestrukturen in Europa auf. Laut Fraunhofer-Studie vollziehen sie diesen Markteintritt rund dreimal schneller als bei früheren Expansionen, etwa in Südafrika.

Elektro-Lkw als Einfallstor: Zukunftstechnologien in Gefahr

Besonders im Bereich der Elektro-Lkw-Technologie sieht die Gewerkschaft die Gefahr einer Abwanderung von Schlüsselkompetenzen. Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg, warnt: Bleiben politische Weichenstellungen aus, könnten Zukunftstechnologien wie Batterie- und Wasserstoffantriebe aus der Region abwandern. Dies würde zunächst Zulieferer treffen – insbesondere im Bereich Antriebsstränge und elektrische Komponenten – und in der Folge auch die Hersteller selbst.

Als besonders bedrohlich gilt das Vorgehen junger chinesischer Start-ups. SuperPanther hat nach Angaben der Gewerkschaft in kurzer Zeit ein europäisches Netzwerk aus Logistikunternehmen, Prüforganisationen und Zulieferern aufgebaut. Mit dem Auftragsfertiger Steyr Automotive besteht demnach ein Produktionsvertrag über 16.000 schwere Elektro-Lkw ab 2026. Die Kombination aus schnellen Produktionsanläufen, aggressiven Preisen und hoher Skalierung greife gezielt Kernkompetenzen der europäischen Nutzfahrzeugindustrie an, so die IG Metall.

Betriebsräte fordern europäischen Industrieplan für E-Lkw

Betriebsräte großer Nutzfahrzeughersteller unterstützen die Forderungen der Gewerkschaft. Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Daimler Truck, fordert einen europaweiten strategischen Industrieplan, der die Entwicklung und Produktion von Batteriezellen fördert und unternehmerische Risiken minimiert. Zugleich müssten die Hersteller verstärkt in die Elektro-Lkw-Entwicklung investieren, um den Kostenwettbewerb durch technologische Überlegenheit zu kompensieren.

Wilfried Schmid, Konzernbetriebsratsvorsitzender bei Iveco Magirus, kritisiert das Fehlen eines politischen Masterplans für Infrastruktur, Energiepreise und Technologieoffenheit. Ohne klare Leitlinien beschleunige Europa den Abstieg der eigenen Industrie. Er warnt ausdrücklich vor der Unterschätzung einer planwirtschaftlich gesteuerten Konkurrenz, die freie Marktmechanismen systematisch ausnutze.

Was jetzt gefordert wird

Die IG Metall und die Betriebsräte fordern konkret:

  • Einen gemeinsamen europäischen Industrieplan für die Nutzfahrzeugbranche
  • Gezielte EU-Förderung für bestehende Industrie-Cluster und Produktionsstandorte
  • Investitionen in die Entwicklung elektrischer und wasserstoffbasierter Lkw-Antriebe
  • Klare politische Vorgaben für Infrastruktur und Energieversorgung

Die Fraunhofer-Studie wurde im Rahmen des Transformationsnetzwerks CARS 2.0 beauftragt und finanziert. Ihre Ergebnisse dienen der IG Metall als Grundlage für ihre politischen Forderungen gegenüber der Bundesregierung und europäischen Institutionen. Wie schnell die Politik reagiert, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob der Südwesten Deutschlands seine Stellung als Leitregion der Nutzfahrzeugindustrie langfristig halten kann.