Daimler Truck überführt seinen Mercedes-Benz NextGenH2 Truck in die Kleinserie: 100 Einheiten des Brennstoffzellen-Lkw sollen im Werk Wörth gebaut werden, Kundenerprobungen sind ab Ende 2026 geplant. Damit vollzieht der Stuttgarter Nutzfahrzeughersteller einen weiteren konkreten Schritt in Richtung emissionsfreier Schwertransport.
Der Schritt folgt auf ein erfolgreiches Entwicklungs- und Testprogramm mit Prototypen der ersten Generation. Laut Unternehmensangaben wurden die Fahrzeuge unter anderem unter Extrembedingungen in den Schweizer Alpen erprobt – sowohl im Winter als auch im Sommer. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse flossen direkt in das weiterentwickelte Modell ein.
Flüssigwasserstoff ermöglicht über 1000 Kilometer Reichweite
Das zentrale technische Merkmal des NextGenH2 Truck ist der Einsatz von Flüssigwasserstoff. Bei minus 253 Grad Celsius weist dieser eine deutlich höhere Energiedichte auf als gasförmiger Wasserstoff – und ermöglicht damit eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern bei voller Beladung. Die Praxistauglichkeit hat Daimler Truck bereits Ende 2023 belegt: Ein GenH2 Truck der ersten Generation legte mit einem Gesamtzuggewicht von rund 40 Tonnen insgesamt 1047 Kilometer mit einer Tankfüllung zurück.
Die beiden Flüssigwasserstofftanks fassen laut Unternehmensangaben insgesamt bis zu 85 Kilogramm Wasserstoff. Das Betanken soll nach dem sLH2-Standard – entwickelt gemeinsam mit Linde – in zehn bis 15 Minuten möglich sein, ähnlich schnell wie bei einem konventionellen Diesel-Lkw. Als Antriebseinheit kommen zwei Brennstoffzellensysteme des Typs BZA150 von Cellcentric zum Einsatz, einem Joint Venture von Daimler Truck und der Volvo Group, mit einer Gesamtsystemleistung von 300 Kilowatt.
Serienkomponenten aus dem Mercedes elektro Lkw eActros 600
Gegenüber dem Vorgänger profitiert der NextGenH2 Truck von zahlreichen Komponenten, die bereits im batterieelektrischen Mercedes-Benz eActros 600 in Serie verbaut werden. Dazu gehören die aerodynamisch optimierte ProCabin, die neue Generation der integrierten E-Achse sowie das Multimedia Cockpit Interactive 2 mit aktuellen Sicherheits- und Assistenzsystemen. Als Pufferspeicher dient eine eigens entwickelte 101-kWh-Hochvoltbatterie auf Basis der Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP), die zugleich Energie aus dem Rekuperationsbetrieb aufnimmt.
Auch baulich wurde der Truck weiterentwickelt: Der sogenannte Tech-Tower hinter der Kabine wurde kompakter gestaltet, was den Radstand um 150 Millimeter auf 4000 Millimeter verkürzt. Das erhöht laut Hersteller die Flexibilität bei Anhänger-Kombinationen und die Kompatibilität mit Standard-Aufliegern unter europäischen Längenvorschriften. Ebenfalls neu ist ein Boil-Off-Management-System, das unter anderem das Abstellen des Fahrzeugs in geschlossenen Räumen ermöglicht.
226 Millionen Euro Förderung – Serienproduktion für Anfang der 2030er geplant
Die Entwicklung, Produktion und der Praxiseinsatz der NextGenH2-Kleinserie werden vom Bundesministerium für Verkehr sowie den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit einer Förderung von insgesamt 226 Millionen Euro unterstützt. Der Mercedes Wasserstoff-Lkw soll damit einen Brückenschlag zwischen Erprobung und Großserie bilden.
Die eigentliche Serienproduktion des Brennstoffzellen-Lkw ist nach Unternehmensangaben für die frühen 2030er Jahre geplant. Bis dahin liefern die 100 Kleinserie-Fahrzeuge im Kundeneinsatz wichtige Erkenntnisse für den Übergang zu skalierbarer Fertigung. Für Daimler Truck bleiben wasserstoffbasierte Antriebe neben batterieelektrischen Lösungen ein strategischer Entwicklungspfad für den nachhaltigen Schwerlastverkehr.