Renault Trucks hat seine interne Produktionslogistik vollständig auf vollelektrische Lkw umgestellt. Gemeinsam mit dem Logistikdienstleister Malherbe betreibt der Nutzfahrzeughersteller einen elektrifizierten Logistikkorridor zwischen den Werken in Blainville-sur-Orne, Bourg-en-Bresse und Lyon – und spart damit laut Unternehmensangaben jährlich 2.869 Tonnen CO2.
Auf dieser Route werden Kabinen, Motoren und Achsen nach dem Just-in-Time-Prinzip zwischen den Produktionsstandorten transportiert. Der gesamte Transportfluss wird bereits heute nahezu vollständig mit batterieelektrischen Fahrzeugen abgewickelt – ein ungewöhnlich konsequenter Schritt in der industriellen Intralogistik.
22 Elektro-Lkw im täglichen Einsatz auf über 800 Kilometern
Für den Korridor setzt Renault Trucks eine Flotte von 22 vollelektrischen Renault Trucks E-Tech T ein. Ein ausgeklügeltes Relais-System ermöglicht es, täglich bis zu 810 Kilometer auf der Nordschleife und 704 Kilometer auf der Südschleife zurückzulegen – ohne den Transportfluss zu unterbrechen. Dabei werden an festgelegten Punkten entlang der Strecke sowohl die Elektro-Sattelzugmaschinen als auch die Fahrer gewechselt.
Die Batterien der Fahrzeuge werden während der planmäßigen Stopps geladen, parallel zu den vorgeschriebenen Ruhezeiten der Fahrer. Grundlage dafür ist die Ladeinfrastruktur, in die Malherbe an strategisch wichtigen Punkten entlang der Strecke investiert hat. Der Einsatz der Elektro-Lkw ist damit eng mit dem Betriebsablauf verzahnt – Ladezeiten ersetzen keine Arbeitszeit, sondern fallen mit Pflichtpausen zusammen.
Malherbe plant bis 2026 ein eigenes Ladenetz mit 50 Stationen
Malherbe ist seit 1953 Partner von Renault Trucks und zählt zu den bedeutenden Logistikdienstleistern in Frankreich. Das Unternehmen hat sich 2021 der Science Based Targets Initiative verpflichtet und will die Emissionen seiner Flotte bis 2030 um 42 Prozent senken. In den vergangenen zehn Jahren wurden die Flottenemissionen bereits um mehr als 20 Prozent reduziert, wie das Unternehmen mitteilt.
Für den weiteren Ausbau der Elektro-Lkw-Ladeinfrastruktur plant Malherbe bis 2026 acht eigene Ladezentren mit insgesamt 50 Ladestationen. Parallel sollen 50 elektrische Lkw in Betrieb gehen. Durch diesen Ausbau sollen weitere 4.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden – zusätzlich zu den bereits erzielten Einsparungen aus dem Renault-Korridor.
Elektro-Lkw in der Intralogistik: Ein Modell mit Signalwirkung
Das Projekt zeigt, unter welchen Bedingungen elektrische Lkw auch auf langen Tagesstrecken wirtschaftlich betrieben werden können: planbare Routen, feste Haltepunkte und ein koordiniertes Ladekonzept. Die Kombination aus Relais-System und integrierter Ladeinfrastruktur erlaubt eine maximale Einsatzzeit von bis zu 18 Stunden täglich, wie aus Unternehmensangaben hervorgeht.
Für die Dekarbonisierung industrieller Transportketten liefert der Logistikkorridor zwischen den Renault-Werken damit konkrete Kennzahlen: 22 Fahrzeuge, drei Standorte, knapp 2.900 Tonnen CO2 weniger pro Jahr. Ob sich dieses Modell auf andere Branchen und Streckenprofile übertragen lässt, bleibt offen – die technischen Voraussetzungen für den Betrieb vollelektrischer Lkw auf Langstrecken sind jedoch nachgewiesen.