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Warum Speditionen trotz verfügbarer E-Lkw weiter auf Diesel setzen

Warum kaufen Speditionen trotz verfügbarer E-Lkw weiter Diesel? Experte Christoph Wede erklärt, wie Strompreis, Ladeinfrastruktur und politische Unsicherheit den Umstieg bremsen.

Obwohl elektrische Lkw technisch ausgereift sind und von allen großen Herstellern angeboten werden, kaufen Speditionen in Deutschland weiterhin überwiegend Diesel-Lkw. Nutzfahrzeugexperte Christoph Wede benennt in einem aktuellen Podcast die zentralen Ursachen: politische Unsicherheit, eine lückenhafte Ladeinfrastruktur auf der Strecke und vor allem ein Strompreis, der den wirtschaftlichen Umstieg für viele Betriebe schlicht unrentabel macht.

Die Verfügbarkeit elektrischer Nutzfahrzeuge hat sich zuletzt spürbar verbessert. Sowohl große als auch kleinere Hersteller haben neue Modelle auf den Markt gebracht, die im täglichen Betrieb technisch überzeugen. Das eigentliche Problem liegt nach Wedes Einschätzung nicht in der Technik, sondern in der fehlenden Nachfrage – und die hat strukturelle Gründe.

Strompreis und Ladeinfrastruktur bremsen den E-Lkw-Hochlauf

Der Strompreis ist laut Wede derzeit der entscheidende Kostentreiber im Betrieb elektrischer Lkw. Das Laden unterwegs – also abseits des firmeneigenen Depots – sei wirtschaftlich kaum attraktiv. Depotladungen funktionierten zwar zuverlässig, doch für den Fernverkehr fehle es an einer flächendeckenden, bezahlbaren Ladeinfrastruktur. Solange das Laden auf der Strecke so teuer bleibe, rechne sich der Umstieg für viele Speditionen nicht.

Als konkreten Hebel schlägt Wede vor, den Strom für das Laden auf der Strecke für einen definierten Zeitraum zu subventionieren. Das würde die Wirtschaftlichkeit elektrischer Nutzfahrzeuge verbessern und gleichzeitig CO₂-arme Transporte fördern. Ohne solche Maßnahmen werde der Hochlauf bei Elektro-Lkw im Fernverkehr auf sich warten lassen.

Politische Unsicherheit belastet die Investitionsbereitschaft der Branche

Zusätzlich zur Kostenfrage sorgt die politische Lage für Zurückhaltung. Die mögliche Aufweichung des EU-weiten Verbrenner-Aus ab 2035 sendet aus Wedes Sicht falsche Signale an Speditionen und Logistiker. Wer langfristige Investitionen in elektrische Lkw plant, braucht verlässliche Rahmenbedingungen – doch genau daran mangele es derzeit. Diese Unsicherheit verstärke sich durch den bereits 2024 erfolgten Wegfall von Förderungen für elektrische Nutzfahrzeuge.

Dabei ist die technologische Entwicklung nicht das Problem: Die Fahrzeuge performen, Betriebsstörungen sind laut Wede selten. Was fehlt, ist die Kombination aus stabiler Politik, günstigeren Ladekosten und einem dichten Netz an Ladepunkten entlang der Hauptverkehrsrouten – Voraussetzungen, ohne die selbst überzeugte Betriebe kaum umsteigen werden.

Positives Signal aus dem ÖPNV: BVG-Depotprojekt erhält Bundesförderung

Ein Gegenbeispiel liefert der öffentliche Nahverkehr. Für ein neues Depotprojekt der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stellt der Bund laut Wede 1,1 Milliarden Euro bereit. Damit können mehrere tausend E-Busse gefördert werden – ein deutliches politisches Bekenntnis zur Elektrifizierung des ÖPNV, das im Güterverkehr bislang fehlt.

Ob ähnlich klare Signale auch für den Nutzfahrzeugbereich kommen, bleibt abzuwarten. Strompreis, Ladeinfrastruktur und politische Rahmenbedingungen bleiben die drei entscheidenden Stellschrauben – und solange sie nicht zusammenspielen, dürfte der Dieselantrieb bei Speditionen das Mittel der Wahl bleiben.