Das Ingenieurs- und Entwicklungsunternehmen FEV hat neue Analyseergebnisse zur Wirtschaftlichkeit von Range-Extender-Lkw veröffentlicht. Demnach können Nutzfahrzeuge mit sogenannter REEV- beziehungsweise Hybrid-BEV-Architektur die Total Cost of Ownership (TCO) im Vergleich zu konventionellen Diesel-Lkw um bis zu 33 Prozent senken. Selbst im ungünstigsten Long-Haul-Szenario beträgt die Einsparung noch rund 14 Prozent, wie FEV mitteilt.
Gleichzeitig weist die Analyse erhebliche ökologische Vorteile aus: Abhängig von Einsatzprofil und Energiemix lassen sich die CO₂-Emissionen gegenüber einem konventionellen Diesel-Lkw um bis zu 82 Prozent reduzieren. FEV positioniert die Technologie damit als sofort verfügbare Lösung für den elektrifizierten Fernverkehr – ohne auf einen flächendeckenden Ausbau von Hochleistungs-Ladeinfrastruktur warten zu müssen.
Kleinere Batterie als zentraler Kostenvorteil bei elektrischen Lkw
Ein wesentlicher Faktor für den Wirtschaftlichkeitsvorteil liegt in der deutlich geringeren Batteriegröße. Während ein rein batterieelektrischer Fernverkehrs-Lkw laut FEV-Angaben Kapazitäten von rund 560 kWh benötigt, kommt ein Range-Extender-Lkw mit etwa 280 kWh aus. Diese kleinere Batterie senkt nicht nur die Fahrzeugkosten, sondern reduziert auch das Fahrzeuggewicht – was die verfügbare Nutzlast erhöht.
Das nächtliche Laden im Depot über herkömmliche AC-Ladepunkte mit 22 kW ermöglicht laut Analyse das Nachladen von rund 240 kWh über Nacht. Das reicht in vielen Einsatzszenarien aus, um das Fahrzeug nahezu vollständig elektrisch in den nächsten Einsatztag zu schicken. Eine kostspielige Megawatt-Ladeinfrastruktur wäre für den wirtschaftlichen Betrieb damit nicht erforderlich.
Range-Extender-Lkw im Fernverkehr: TCO und CO₂ im Fokus
Die Berechnungen von FEV basieren auf einem europäischen Einsatzprofil mit Depot-Charging zu Industriestrompreisen von rund 19 Cent pro Kilowattstunde. In Regionen mit niedrigeren Energiekosten fiele der Wirtschaftlichkeitsvorteil entsprechend größer aus, so das Unternehmen. Der TCO-Vorteil ergibt sich aus dem Zusammenspiel von niedrigeren Anschaffungskosten gegenüber reinen Elektro-Lkw mit großer Batterie, geringeren Betriebskosten durch den hohen elektrischen Fahranteil sowie der Möglichkeit, bestehende Depotstrukturen ohne größere Infrastrukturinvestitionen zu nutzen.
FEV hebt hervor, dass gerade im Fernverkehr – einem Segment, in dem Kostenentscheidungen besonders sensibel sind – die Kombination aus hohen elektrischen Fahranteilen und minimalen Infrastrukturanforderungen einen messbaren Mehrwert liefere. Das Unternehmen arbeitet derzeit an Demonstrator-Fahrzeugen, um die Analyseergebnisse in der Praxis zu validieren und gemeinsam mit Partnern in marktfähige Lösungen zu überführen.
Einordnung: Was die Analyse offen lässt
Die FEV-Studie konzentriert sich auf den Vergleich zwischen Range-Extender-Lkw und konventionellen Diesel-Lkw. Eine detaillierte Gegenüberstellung mit rein batterieelektrischen Lkw – sowohl hinsichtlich TCO als auch CO₂-Bilanz – fehlt in der vorliegenden Analyse. Gerade dieser Vergleich wäre aufschlussreich, da vollelektrische Lkw in bestimmten Einsatzszenarien ebenfalls erhebliche TCO-Vorteile gegenüber Diesel aufweisen können, sobald niedrigere Betriebs- und Wartungskosten über die Nutzungsdauer eingerechnet werden.
FEV hat den Fokus der aktuellen Untersuchung bewusst auf das Nutzfahrzeug- und Fernverkehrssegment gelegt, nachdem das Unternehmen in früheren Studien bereits das Dekarbonisierungspotenzial von Hybrid-BEV-Konzepten im Pkw-Bereich untersucht hatte. Die Ergebnisse sollen nun durch Demonstrator-Fahrzeuge praktisch überprüft werden.