Der Kaufpreis eines Elektro-LKW liegt deutlich über dem eines Diesel-Fahrzeugs – das ist Fakt. Wer aber nur auf den Anschaffungspreis schaut, trifft eine falsche Entscheidung. Der Total Cost of Ownership (TCO) zeigt, was ein Fahrzeug über seine gesamte Nutzungsdauer wirklich kostet – und hier holt der E-LKW erheblich auf. Laut ACEA (2024) können die Gesamtkosten pro Kilometer für E-LKW bei konsequentem Depot-Laden bis zu 30 Prozent unter denen eines Diesel-LKW liegen.
Was umfasst der TCO?
Der TCO (Gesamtbetriebskosten) berücksichtigt alle relevanten Kostenpositionen über die Nutzungsdauer:
- Anschaffungskosten (Kaufpreis, Leasing, Finanzierung)
- Energiekosten (Strom vs. Diesel)
- Wartung und Reparatur
- Steuern und Versicherung
- Maut
- Restwert / Abschreibung
Erst dieser Gesamtblick ergibt ein realistisches Bild – und macht den Vergleich zwischen E-LKW und Diesel fair.
Anschaffungskosten
E-LKW liegen beim Kaufpreis aktuell deutlich über vergleichbaren Diesel-Fahrzeugen. Der Mercedes-Benz eActros 600 wird auf rund das 2,5-fache eines vergleichbaren Diesel-Actros geschätzt – bei einem Diesel-Preis ab ca. 100.000 € also grob 250.000 € und mehr (laut ADAC, 2024). Fördermittel gibt es auf Bundesebene seit 2024 nicht mehr; Länderprogramme und die Mautbefreiung können den Aufpreis jedoch teilweise kompensieren.
Bei Leasingmodellen relativiert sich der Unterschied: Einige Hersteller und Leasinggeber bieten TCO-orientierte Modelle an, die Energiekosten und Wartung einschließen.
Energiekosten: Strom schlägt Diesel
Diesel ist pro Kilometer teurer als Strom – besonders bei Eigenstromerzeugung über PV-Anlage. Mercedes-Benz Trucks nennt für einen Diesel-Sattelzug Treibstoffkosten von rund 40 € pro 100 km (bei 26 Liter/100 km und 1,50 €/Liter netto), gegenüber rund 23,80 € elektrisch (Herstellerschätzung für den eActros 600). Das entspricht einer Einsparung von rund 40 Prozent bei den Energiekosten – allerdings abhängig vom tatsächlichen Strompreis und Verbrauchsprofil.
Hinweis: Diese Angabe stammt von Mercedes-Benz Trucks und basiert auf unternehmenseigenen Annahmen. Individuelle Betriebskosten können abweichen – je nach Strombezugspreis, Eigenstromerzeugung und Einsatzprofil.
Bei PV-Eigenversorgung auf dem Betriebshof können laut AMBA Operations die Kilometerkosten für das Laden auf rund 17 Cent/km sinken.
Wartungskosten: Strukturvorteil des Elektromotors
Elektromotoren haben deutlich weniger mechanisch bewegte Teile als Verbrennungsmotoren. Es entfallen: Ölwechsel, Zahnriemen, Kupplung (bei Einzelmotor ohne Getriebe), Abgasanlage. Zudem reduziert Rekuperation den Bremsenverschleiß erheblich.
Branchenübliche Schätzwerte gehen von 30–40 % niedrigeren Wartungskosten für E-LKW gegenüber Diesel aus – diese Angabe ist jedoch stark von Fahrzeugtyp, Einsatz und Infrastruktur abhängig und sollte als Orientierungswert verstanden werden, nicht als gesicherter Praxiswert für jeden Betrieb.
Maut: Befreiung bis 2031
Der aktuell größte Einzelhebel im TCO-Vergleich ist die vollständige Mautbefreiung für emissionsfreie LKW bis 30. Juni 2031 (Viertes Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften, November 2025). Ein Diesel-LKW Euro 6 zahlt 2026 laut BALM rund 34,8 Cent/km inklusive CO₂-Mautteilsatz. Bei 100.000 km/Jahr sind das ca. 34.800 € – die der E-LKW-Betreiber vollständig einspart.
TCO-Vergleich: Beispielrechnung (orientierend)
| Kostenposition | Diesel-LKW (Euro 6) | E-LKW (eActros 600) |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten (5 Jahre, Abschreibung p.a.) | ~20.000 € | ~50.000 € |
| Energiekosten (100.000 km/Jahr) | ~40.000 € | ~23.800 € |
| Wartung (geschätzt) | ~15.000 € | ~9.000–10.500 € |
| Maut (100.000 km/Jahr) | ~34.800 € | 0 € |
| Summe/Jahr | ~109.800 € | ~83.000–84.000 € |
Was den TCO kippt: Risiken
- Hohes Batterie-Leasing-Risiko: Restwerte für E-LKW sind noch wenig etabliert.
- Ladeinfrastrukturkosten: Netzanschluss und Ladeequipment können 100.000–500.000 € kosten – nicht im Fahrzeug-TCO enthalten, aber real.
- Ladezeitkosten: Jede Stunde Ladezeit ist eine Stunde weniger operative Nutzung – muss in der Disposition berücksichtigt werden.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann ist ein E-LKW günstiger als ein Diesel?
Bei hoher Jahresleistung (ab ca. 100.000 km), günstigem Eigenstrom und voller Mautbefreiung ist der E-LKW im TCO bereits heute in vielen Szenarien günstiger als Diesel. Der Break-Even hängt stark von Strombezugspreis, Investitionskosten für Infrastruktur und individuellen Routen ab.
Kann sich ein E-LKW ohne Förderung rechnen?
Ja – vor allem durch die Mautbefreiung bis 2031 und niedrigere Energie- und Wartungskosten. Die Mautbefreiung allein macht rund 35 Cent/km aus und ist der dominierende Wirtschaftlichkeitsfaktor.
Was gilt beim Leasing?
Bei Leasing liegt die TCO-Berechnung beim Leasinggeber. Einige Anbieter bieten Verträge inklusive Batterie-Restwertgarantie an – das reduziert das Risiko für den Flottenmanager.
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