Die Traton Group entwickelt ihre Batterietechnologie für Elektro-Lkw konsequent weiter – und öffnet sich dabei erstmals auch der LFP-Batteriechemie. Das geht aus einem Interview hervor, das Niklas Klingenberg, Head of Group R&D bei Traton, dem Fachmedium electrive.net gegeben hat. Klingenberg verantwortet die konzernweite Forschung und Entwicklung und damit die Technologiestrategie für die Marken MAN und Scania.
Konkret erreichen die neuesten Batteriesysteme von MAN und Scania laut Unternehmensangaben eine Reichweite von bis zu 720 Kilometern. Die Batterien sowie Ladesysteme werden seit Mitte 2025 markenübergreifend in einer zentralen Konzernfunktion entwickelt. Ziel ist es, durch Skaleneffekte die Kosten zu senken und Innovationen für beide Marken schneller voranzutreiben.
E-Lkw-Reichweite: Mehr als Kilometer
Die hohe Reichweite der elektrischen Lkw dient laut Klingenberg in erster Linie der Betriebssicherheit. Kunden benötigten ausreichend Energiepuffer, um ihre Transportaufträge auch dann zu erfüllen, wenn Ladestationen schwer erreichbar sind oder Fahrer bis zu viereinhalb Stunden am Stück fahren müssen. Die 720 Kilometer seien dabei noch nicht das Ende der Entwicklung: Je nach Kundenbedarf könnten künftig noch höhere Kapazitäten erforderlich sein, so der Traton-Entwicklungschef.
LFP-Batterien: Traton weitet Batteriechemie aus
Bislang setzte Traton ausschließlich auf NMC-Batteriechemie. Nun bestätigt Klingenberg, dass das Unternehmen aktiv an LFP-Batterien arbeitet – eine Technologie, auf die viele Wettbewerber bereits umgeschwenkt sind. Ein kurzfristiger Wechsel der Batteriechemie sei zwar nicht möglich, neue Batteriesysteme auf LFP-Basis würden jedoch derzeit entwickelt. Das Signal ist für die Branche bedeutsam: Traton reagiert damit auf einen globalen Trend, der vor allem durch chinesische Hersteller geprägt wird.
Neben dem BEV-Pfad untersucht Traton weitere Technologien, um CO2-Emissionen schnell zu senken. Dazu zählen Range-Extender-Systeme, Pantografen zum Laden über Oberleitungen sowie Wasserstoffantriebe, die in Pilotprojekten in Schweden und Deutschland erprobt werden. Klingenberg betont jedoch klar: Batterie-elektrische Fahrzeuge bleiben die Hauptstrategie des Konzerns – sowohl technologisch als auch mit Blick auf die Gesamtbetriebskosten für Kunden. Kurzfristig sieht er Biogas und Biodiesel als ergänzenden Ansatz zur Emissionsreduktion.
Wettbewerb durch Tesla und chinesische Hersteller steigt
Der zunehmende Druck durch neue Wettbewerber – darunter Tesla sowie chinesische Hersteller, die in den europäischen Markt drängen – verändert laut Klingenberg das Wettbewerbsumfeld spürbar. Als Reaktion darauf fordert der Traton-Manager eine deutlich engere Zusammenarbeit im europäischen Industrie-Ökosystem. In China beobachte Traton, wie intensiv die Vernetzung zwischen Zulieferern, Ökosystem-Partnern und Fahrzeugherstellern bereits funktioniert – ein Modell, das Europa nach Ansicht von Klingenberg stärker adaptieren müsse.
Batterie-Swapping-Systeme, die in China an Bedeutung gewinnen, beobachtet Traton zwar aufmerksam, misst ihnen aber derzeit keine strategische Priorität bei. Der Konzern bereite sich darauf vor, auf Marktentwicklungen zu reagieren – sei bislang jedoch nicht überzeugt, dass Batteriewechseltechnologie den Markt dominieren werde.