Die ersten drei Förderaufrufe des Bundes für den Aufbau von Lkw-Ladeinfrastruktur sind deutlich überzeichnet. Insgesamt standen in den Runden aus dem Frühsommer 2026 rund 300 Millionen Euro zur Verfügung – doch die Nachfrage übertraf das verfügbare Budget in allen drei Aufrufen erheblich. Das geht aus der Auswertung des Projektträgers Jülich hervor, der die Anträge im Auftrag des Bundes bewertet hat.
Das Programm richtet sich sowohl an kleine und mittlere Unternehmen als auch an alle Unternehmen, die Ladeinfrastruktur für elektrische Lkw aufbauen wollen – im eigenen Depot oder an öffentlich zugänglichen Standorten. Über die gesamte vierjährige Laufzeit sind insgesamt eine Milliarde Euro vorgesehen. Angesichts der hohen Nachfrage hat der Bund weitere Förderaufrufe angekündigt.
Erster Förderaufruf für KMU binnen Stunden ausgeschöpft
Besonders deutlich zeigte sich der Andrang beim ersten Aufruf, der sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen richtete. Das ursprüngliche Budget von 50 Millionen Euro war laut Angaben des Projektträgers Jülich bereits nach wenigen Stunden aufgebraucht. Trotz einer kurzfristigen Aufstockung auf 150 Millionen Euro musste der Förderaufruf noch am selben Tag – dem 5. Juni 2026 – geschlossen werden. Anträge konnten ausschließlich an diesem einen Tag gestellt werden; die Bewilligung erfolgt in der Reihenfolge des Antragseingangs.
Die Förderkonditionen sahen vor, dass pro Ladepunkt mindestens 50 Kilowatt Leistung installiert werden müssen. Jedes installierte Kilowatt wird mit bis zu 500 Euro netto gefördert. Da kein Auswahlverfahren stattfindet, sollen alle Antragsteller, die fristgerecht und vollständig eingereicht haben, einen Zuwendungsbescheid erhalten.
Wettbewerbsrunden: Nur rund 17 Prozent der beantragten Mittel verfügbar
Die beiden weiteren Förderaufrufe – einer für nicht-öffentliche Ladeinfrastruktur aller Unternehmen, einer für öffentlich zugängliche Ladepunkte etwa an Rastanlagen oder Ladehubs – liefen vom 12. Juni bis zum 7. Juli 2026 und basierten auf einem wettbewerblichen Auswahlverfahren. Hier lagen die beantragten Fördervolumina laut Jülich im Bereich von mehreren hundert Millionen Euro, während jeweils nur rund 17 Prozent der beantragten Summe als Budget bereitstanden.
Bei der Bewilligung spielte die sogenannte Förderintensität die entscheidende Rolle: Wer weniger Fördergeld pro Kilowatt Ladeleistung beantragt, wird bevorzugt berücksichtigt. Beim Aufruf für öffentliche Ladepunkte flossen zusätzlich standortspezifische Kriterien in die Bewertung ein – etwa ob die geplanten Lader an sogenannten AFIR-Standorten errichtet werden sollen.
Branche fordert Transformation aktiv ein
Der Projektträger Jülich wertet die hohe Beteiligung als klaes Signal der Transportbranche. Die Nachfrage zeige, wie wichtig das Förderprogramm für den Aufbau einer flächendeckenden Elektro-Lkw-Ladeinfrastruktur sei, und unterstreiche die Bereitschaft der Unternehmen, die Transformation zur Elektromobilität aktiv voranzutreiben – und nicht nur mitzutragen.
Der Bund plant, das Programm mit weiteren Förderaufrufen fortzusetzen. Konkrete Termine für kommende Runden nannte Jülich bislang nicht. Das Gesamtbudget von einer Milliarde Euro über vier Jahre lässt jedoch erheblichen Spielraum für Folgeprogramme – sofern die Mittel zeitnah und ohne bürokratische Verzögerungen ausgeschüttet werden.