Elektro-Transporter: FedEx bestellt 2000 E-Lkw bei Harbinger

FedEx bestellt 2.000 vollelektrische Transporter beim US-Start-up Harbinger – Auftragswert über 300 Mio. Dollar, Lieferung ab Ende 2027 geplant.

FedEx hat einen Großauftrag über 2.000 vollelektrische Zustellfahrzeuge an das US-Start-up Harbinger vergeben. Der Auftragswert beläuft sich auf mehr als 300 Millionen US-Dollar. Die Elektro-Transporter sollen Ende 2027 im Einsatz sein – in den USA und Kanada.

Bei den bestellten Fahrzeugen handelt es sich um vollelektrische Koffer-Transporter der US-Fahrzeugklassen 5 und 6, also mittelschwere Nutzfahrzeuge für den städtischen Lieferverkehr. Für Harbinger ist der Auftrag ein außergewöhnlicher Sprung: Das Unternehmen hatte bis Ende 2025 laut eigenen Angaben erst rund 400 Fahrzeuge produziert. Die verbleibende Produktions- und Lieferzeit kalkuliert Harbinger mit etwa 18 Monaten.

Elektro-Lkw im Flottenbetrieb: Die Rechnung hinter dem Großauftrag

Harbinger begründet den Auftrag auch mit konkreten Wirtschaftlichkeitszahlen. Nach Unternehmensangaben senkt jeder der elektrischen Lastwagen die jährlichen Kraftstoffkosten für FedEx um rund 20.000 US-Dollar. Hochgerechnet auf die gesamte Bestellung ergibt das eine jährliche Ersparnis von etwa 40 Millionen US-Dollar. Bei einer angesetzten Nutzungsdauer von 20 Jahren käme FedEx demnach auf eine Gesamtersparnis von rund 800 Millionen US-Dollar – mehr als das Doppelte des Kaufpreises.

Diese Kalkulation stammt vom Hersteller selbst. Wie stark Stromkosten, Wartungsaufwand und der Aufbau der nötigen Ladeinfrastruktur die tatsächliche Amortisation beeinflussen, lässt Harbinger in seiner Rechnung offen. Zusätzlich zur finanziellen Ersparnis erwartet das Unternehmen über die gesamte Fahrzeuglebensdauer eine CO₂-Einsparung von mehr als 1,7 Millionen Tonnen.

Rückschlag mit BrightDrop – Neustart mit Harbinger

Der Auftrag ist Teil von FedEx' langfristiger Strategie, die gesamte Pickup-and-Delivery-Flotte bis 2040 zu elektrifizieren. Aktuell betreibt das Unternehmen laut Geschäftsbericht 2026 rund 9.500 elektrische Fahrzeuge bei insgesamt mehr als 180.000 motorisierten Einheiten. Der Weg dorthin verlief bislang nicht reibungslos.

FedEx war Erstkunde der BrightDrop-Elektrotransporter von General Motors – ein Engagement, das 2025 abrupt endete, als GM die Produktion der Baureihe nach vier Jahren einstellte. Mit Harbinger setzt FedEx nun auf einen Anbieter, der sich auf größere Fahrzeugklassen spezialisiert hat. Das passt zum laufenden Netzwerkumbau des Logistikunternehmens, der genau diese Fahrzeugkategorie stärker in den Fokus rückt.

Harbinger: Vom Start-up zum Partner für elektrische Lastwagen

Die Partnerschaft zwischen FedEx und Harbinger hat eine Vorgeschichte. Im November 2025 führte FedEx eine Finanzierungsrunde über 160 Millionen US-Dollar für das Start-up an und bestellte dabei erstmals 53 Fahrzeuge. FedEx-Manager Paul Melander sitzt zudem im Verwaltungsrat von Harbinger – eine enge personelle Verflechtung, die den nun erteilten Großauftrag strategisch einbettet.

Harbinger-Chef John Harris wertet den Auftrag als Beleg dafür, dass sich elektrische Lkw im gewerblichen Flottenbetrieb wirtschaftlich rechnen. Ob das Unternehmen die Produktion von 2.000 Fahrzeugen in der vorgesehenen Zeit stemmen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – die bisherige Gesamtproduktion lag bei einem Bruchteil dieser Stückzahl.