Die Autobahn GmbH plant, im November die Ausschreibung für ein Lkw-Ladenetz an bewirtschafteten Rastanlagen zu starten. Das geht aus einem aktuellen Projektexposé hervor, das sich an interessierte Marktteilnehmer richtet. Damit kommt ein zentrales Vorhaben für die Ladeinfrastruktur von Elektro-Lkw an deutschen Bundesautobahnen in die entscheidende Phase.
Die neue Ausschreibungsrunde ergänzt ein bereits laufendes Netz an 124 unbewirtschafteten Standorten, für das die Lose bereits vergeben sind. Betreiber wie die eliso Voltix Charging GmbH und die autostrom.plus GmbH haben dort bereits Zuschläge erhalten. Bei den 227 bewirtschafteten Rastanlagen hatte sich der Prozess hingegen durch einen Rechtsstreit verzögert, der nun abgeschlossen ist.
Rund 1.300 MCS- und 2.000 CCS-Ladepunkte geplant
Der Umfang des nun ausgeschriebenen Netzes ist erheblich. Laut Projektexposé umfasst die Ausschreibung insgesamt rund 1.300 MCS- und 2.000 CCS-Ladepunkte für Lkw. Die Mindestladeleistung ist verbindlich festgelegt: CCS-Ladepunkte müssen mindestens 400 kW, MCS-Ladepunkte mindestens 1 MW leisten. Bei gemeinsamer Nutzung von Leistungseinheiten muss an einem gleichzeitig genutzten MCS-Ladepunkt dauerhaft eine Ladeleistung von mindestens 800 kW zur Verfügung stehen.
Die Vergabe erfolgt in fünf überlappenden Losen mit jeweils rund 45 Standorten. Jeder Bieter kann sich auf alle Lose bewerben, jedoch grundsätzlich nur einen Zuschlag erhalten. Bewertet werden die Angebote nach einem Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Angebotspreis fließt zu 70 Prozent, die Leistungsqualität zu 30 Prozent in die Gesamtbewertung ein.
Durchleitungsmodell und intelligentes Energiemanagement vorgeschrieben
Neben technischen Mindestanforderungen macht der Bund auch Vorgaben zum Betrieb der Elektro-Lkw-Ladestationen. Gefordert sind ein intelligentes Energiemanagementsystem sowie physische Barrieren – etwa Schranken – für eine spätere Ladeplatzreservierung. Die Realisierung aller Standorte soll innerhalb von fünf Jahren erfolgen. Die Kosten für Netzanschlüsse trägt der Bund.
Bei den Ladeoptionen setzt die Autobahn GmbH auf ein dreigliedriges Modell: Neben dem Ad-hoc-Laden und dem vertragsbasierten Laden per Ladekarte oder App bleibt das sogenannte Durchleitungsmodell eine Option. Dabei können Speditionen ihren eigenen Stromliefervertrag nutzen. Möglich wird das durch ein einheitliches Infrastrukturentgelt, das bei allen drei Ladeformen anfällt.
Marktbeteiligung vor dem Start der Ausschreibung möglich
Interessierte Unternehmen können sich bereits jetzt über das veröffentlichte Projektexposé informieren. Zusätzlich bittet die Autobahn GmbH fachkundige Marktteilnehmer, ihre Einschätzungen über eine Online-Umfrage einzubringen, bevor die Ausschreibung formal beginnt.
Die reguläre Vertragslaufzeit für den Betrieb der Ladeparks beträgt acht Jahre, mit einer möglichen Verlängerung um bis zu vier weitere Jahre. Eine Skalierung der Infrastruktur während der Vertragslaufzeit ist ausdrücklich vorgesehen, falls die Nachfrage an einzelnen Standorten die ursprünglich geplante Kapazität übersteigt.