Die Kellergroup aus Ditzingen bei Stuttgart stellt ihre gesamte Lkw-Flotte auf alternative Antriebe um – mit dem klaren Ziel, bis 2033 sämtliche konventionellen Fahrzeuge zu ersetzen. Geschäftsführer Alexander Hewel erklärt, dass der Elektro-Lkw dabei zur zentralen Technologie der Transformation wird. Das Logistikunternehmen mit mehr als 90-jähriger Geschichte setzt bereits heute auf Bio-CNG, HVO100 und batterieelektrische Fahrzeuge – und baut den E-Anteil schrittweise aus.
Laut Unternehmensangaben bewegt die Kellergroup eine Flotte von rund 80 bis 90 Fahrzeugen, davon sind bereits 35 bis 40 Prozent mit alternativen Antrieben unterwegs. Im eigenen Fuhrpark befinden sich derzeit unter anderem elf Bio-CNG-Lkw sowie zwei Elektro-Lkw. Beim Einsatz elektrischer Lastwagen setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf Fahrzeuge verschiedener Hersteller – darunter Mercedes-Benz und Scania. Künftig soll auch MAN eine Rolle spielen.
Elektro-Lkw als Kern der Antriebswende
Hewel sieht die Elektromobilität als treibende Kraft im Straßengüterverkehr. Andere Technologien wie CNG oder Wasserstoff stoßen aus seiner Sicht entweder an Entwicklungsgrenzen oder an infrastrukturelle Barrieren. Elektrische Lkw hingegen würden leistungsfähiger, effizienter und wirtschaftlich attraktiver. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sei dabei nicht allein der Anschaffungspreis, sondern die Betrachtung über die gesamte Nutzungsdauer – inklusive niedrigerer Energie- und Betriebskosten.
Die Kellergroup hat nach eigenen Angaben eine klare Roadmap entwickelt: Schritt für Schritt werden konventionelle Fahrzeuge ersetzt, neue Elektrofahrzeuge integriert und Kunden auf dem Weg zur Elektromobilität begleitet. Hewel betont, dass Investitionen in E-Mobilität einen langen Atem erfordern und nur schrittweise umgesetzt werden können.
Ladeinfrastruktur und Netzkapazität als Engpässe
Aktuell verfügt die Kellergroup über zwei Ladepunkte mit jeweils 50 Kilowatt Ladeleistung. Die vorhandene Trafokapazität am Standort ist nach Unternehmensangaben bereits stark ausgelastet. Gemeinsam mit den Stadtwerken arbeite man an einem langfristigen Konzept zum schrittweisen Ausbau der Netzleistung in den kommenden drei bis fünf Jahren.
Geplant ist der Aufbau von drei bis fünf Schnellladepunkten mit jeweils rund 400 kW Ladeleistung. Damit will das Unternehmen künftig 20 bis 30 Prozent seiner Fahrzeuge regelmäßig am eigenen Standort laden können. Investitionen in Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und bauliche Maßnahmen bewegen sich laut Hewel schnell im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich – weshalb Förderprogramme ein wichtiger Bestandteil der Gesamtfinanzierung seien.
Herausforderungen bei Langstrecke und öffentlicher Ladeinfrastruktur
Einschränkungen bestehen nach Angaben des Unternehmens weiterhin bei flexiblen Langstreckeneinsätzen. Begrenzte Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte sowie schwankende tatsächliche Ladeleistungen führen im Alltag noch zu Unsicherheiten. Höhere Leasing- und Finanzierungskosten sind zudem auf die aktuell schwer einzuschätzenden Restwerte von Elektro-Lkw zurückzuführen.
Hewel erwartet, dass sich die Kalkulationsgrundlagen mit wachsender Markterfahrung stabilisieren. Für planbare Einsatzprofile – etwa Depotverkehre mit strukturierten Ladeprozessen – seien elektrische Lkw bereits heute wirtschaftlich konkurrenzfähig. In den nächsten drei Jahren rechnet der Kellergroup-Geschäftsführer mit einem deutlichen Wandel hin zu einer breiteren wirtschaftlichen Nutzung elektrischer Lastwagen in der gesamten Branche.