Der Logistikkonzern Rhenus hat seine Elektroflotte um 51 Mercedes-Benz eSprinter erweitert. Die vollelektrischen Transporter sind ab sofort bundesweit im Home-Delivery-Verkehr im Einsatz und übernehmen die Endkundenzustellung von Möbeln, Haushaltsgroßgeräten und ähnlichen sperrigen Waren. Damit setzt Rhenus einen weiteren Schritt in Richtung emissionsarmer Zustelllogistik auf der letzten Meile.
Die eingesetzten Fahrzeuge verfügen über einen 81-kWh-Akku und einen Elektromotor mit 100 kW Leistung. Geladen werden kann mit bis zu 11 kW Wechselstrom oder maximal 115 kW Gleichstrom. Den Kofferaufbau liefert der Fahrzeugbauspezialist Junge Fahrzeugbau, die Fahrgestelle selbst wurden laut Unternehmensangaben im Mercedes-Benz-Werk Ludwigsfelde gefertigt.
Elektro-Transporter auf der letzten Meile: Warum der eSprinter passt
Für den Einsatz im Home-Delivery-Bereich bieten sich batterieelektrische Fahrzeuge wie der eSprinter aus technischen und logistischen Gründen an. Die Touren sind planbar, die Fahrzeuge kehren regelmäßig zu festen Standorten zurück – das erleichtert die Ladeplanung erheblich. Mercedes-Benz betont diesen strukturellen Vorteil gegenüber weniger vorhersehbaren Transportaufgaben im Fernverkehr.
Zur Serienausstattung der Fahrzeuge gehören unter anderem das MBUX-Multimediasystem, Navigations- und Remotedienste sowie aktive Assistenzsysteme wie Brems-, Totwinkel- und Spurhalteassistent. Rhenus erwartet laut Unternehmensangaben attraktive Gesamtbetriebskosten, macht dazu jedoch keine konkreten Angaben. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hänge von Faktoren wie Fahrleistung, Energiepreisen und der verfügbaren Ladeinfrastruktur ab.
Rhenus baut Elektroflotte international aus
Die Flottenerweiterung beschränkt sich nicht auf Deutschland. In Polen betreibt Rhenus bereits 33 Elektrotransporter, die ebenfalls vorwiegend auf der letzten Meile in Ballungsräumen und Gebieten mit Zufahrtsbeschränkungen eingesetzt werden. Damit wächst die Elektroflotte des Unternehmens grenzüberschreitend.
Parallel erprobt Rhenus emissionsarme Antriebe auch im Schwerlastverkehr. Am Standort Duisburg ist seit Anfang 2026 ein Mercedes-Benz GenH2 Truck im regulären Logistikbetrieb im Einsatz – ein Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeug, das den Konzern bei der Erprobung alternativer Antriebe über das rein batterieelektrische Segment hinaus positioniert.
eSprinter-Nachfolger mit 800-Volt-Technik in Vorbereitung
Die 51 neu ausgelieferten Fahrzeuge basieren noch auf der aktuellen eSprinter-Generation. Mercedes-Benz arbeitet bereits an einem Nachfolgemodell, das technisch einen deutlichen Schritt vorwärtsmachen soll. Geplant sind unter anderem 800-Volt-Technologie für schnellere Ladezeiten, das neue Betriebssystem MB.OS sowie umfangreiche Over-the-Air-Funktionen. Zudem soll die Integration externer Flottenmanagement-Anwendungen ins Fahrzeug künftig stärker möglich sein.
Für Logistikunternehmen, die heute in elektrische Transporter investieren, bedeutet das: Die aktuelle Fahrzeuggeneration ist einsatzbereit und wirtschaftlich kalkulierbar – technologisch wird der Markt für elektrische Nutzfahrzeuge auf der letzten Meile jedoch weiter in Bewegung bleiben.