E-Lkw-Ladenetz: Fryte und Smatrics kooperieren

Fryte und Smatrics bauen ein offenes E-Lkw-Ladenetzwerk in Deutschland und Österreich auf. Depot Club und öffentliche Ladepunkte werden integriert – Reservierung ab 2027.

Das Münchner Startup Fryte und der österreichische Ladeinfrastrukturanbieter Smatrics gehen eine strategische Partnerschaft ein, um ein offenes, betreiberübergreifendes Ladenetzwerk für E-Lkw in Deutschland und Österreich aufzubauen. Kern der Kooperation ist die Integration von Smatrics-Standorten in Frytes Plattform für Routen- und Ladeplanung im elektrischen Güterverkehr.

Konkret fließen zwei Kategorien von Ladepunkten in die Fryte-Plattform ein: die Standorte des Smatrics-eigenen „Depot Clubs" sowie öffentliche Lkw-Ladepunkte, die Smatrics selbst betreibt. Der Depot Club ist ein kooperatives Netzwerk, das Speditionen mit eigener Ladeinfrastruktur die Möglichkeit gibt, ihre Ladestationen zeitweise für Dritte zu öffnen – und im Gegenzug die Ladeinfrastruktur anderer Mitglieder zu nutzen. Durch die Partnerschaft mit Fryte können Depotinhaber ihre Infrastruktur nun auch über den Depot Club hinaus verfügbar machen.

Elektro-Lkw-Ladestation: Planbarkeit als zentrales Problem

Für Logistikunternehmen ist beim Einsatz elektrischer Lkw nicht nur entscheidend, ob entlang einer Route geeignete Ladeinfrastruktur vorhanden ist – sondern auch, ob diese zum vorgesehenen Zeitpunkt tatsächlich verfügbar ist. Genau hier setzt die Zusammenarbeit an: Frytes Plattform soll Disponenten eine verlässliche Ladeplanung ermöglichen, die Betreibergrenzen überwindet und öffentliche sowie depotbasierte Ladepunkte gleichermaßen einbezieht.

Die technische Grundlage der Integration bildet der offene Kommunikationsstandard OCPI (Open Charge Point Interface), ein branchenweit etabliertes Protokoll in der Elektromobilität. Da beide Unternehmen diesen Standard bereits nutzen, konnte die Anbindung der Smatrics-Standorte an die Fryte-Plattform nach Unternehmensangaben zügig umgesetzt werden.

Reservierungsfunktion für E-Lkw-Ladestationen ab 2027 geplant

Ein weiterer Ausbauschritt ist für 2027 vorgesehen: Ab dann soll die Reservierung ausgewählter Ladepunkte über die Fryte-Plattform möglich sein. Damit adressieren die Partner ein praktisches Planungsproblem im Fuhrparkbetrieb – die Verfügbarkeit einer Elektro-Lkw-Ladestation zum konkreten Zeitpunkt eines geplanten Ladestopps.

Perspektivisch ist vorgesehen, Reservierungsdaten direkt an die Energiemanagementsysteme der jeweiligen Standorte zu übermitteln. Damit sollen Netz- und Ladeprozesse optimiert werden – relevant angesichts der hohen Ladeleistungen und Strommengen, die elektrische Lkw typischerweise benötigen.

Offenes Ökosystem für die E-Lkw-Ladeinfrastruktur

Die Partnerschaft verfolgt ein strukturelles Ziel: den Aufbau eines herstellerunabhängigen, betreiberübergreifenden Ladenetzwerks speziell für den schweren Güterverkehr. Während sich viele bestehende Ladelösungen auf Pkw oder leichte Nutzfahrzeuge konzentrieren, richtet sich das gemeinsame Angebot von Fryte und Smatrics explizit auf den Bedarf von Speditionen mit elektrischen Lkw.

Das Modell setzt auf Offenheit: Sowohl die technische Basis über OCPI als auch das Peer-to-Peer-Prinzip des Depot Clubs sind darauf ausgelegt, dass möglichst viele Betreiber und Nutzer ohne proprietäre Abhängigkeiten teilnehmen können. Das Netzwerk soll schrittweise wachsen – zunächst durch die bereits integrierten Standorte, mittelfristig durch die geplante Reservierungsfunktion.