E-Lkw: MAN nennt Netzanschluss als größten Engpass

MAN-Vorstand Baumann nennt fehlende Netzanschlüsse als größten Engpass beim Hochlauf von E-Lkw – und sieht den Break-even bereits nach 3,5 Jahren.

Nicht fehlende Fahrzeuge und nicht mangelnde Ladeinfrastruktur bremsen den Hochlauf von Elektro-Lkw in Deutschland – sondern fehlende Netzanschlüsse auf den Betriebshöfen. Das betont Friedrich Baumann, Vorstand für Vertrieb und Customer Solutions bei MAN Truck & Bus, in einer aktuellen Einschätzung zur Lage am Markt für elektrische Lkw.

Viele Transportunternehmen seien grundsätzlich bereit, stärker in E-Lkw zu investieren, scheiterten aber an der Stromversorgung ihrer eigenen Standorte. Laut Baumann wurden die Stromnetze über viele Jahre nicht ausreichend ausgebaut – nun mache sich der steigende Strombedarf im Zuge der Elektrifizierung des Güterverkehrs deutlich bemerkbar. MAN arbeite daher unter anderem mit dem Energieversorger E.On zusammen, um größere Betriebsstandorte mit ausreichend Leistung zu versorgen.

Wirtschaftlichkeit von E-Lkw verbessert sich spürbar

Trotz der strukturellen Hemmnisse zeigt sich Baumann optimistisch, was die Wettbewerbsfähigkeit batterieelektrischer Lkw betrifft. Bei hohen Jahresfahrleistungen – insbesondere auf mautpflichtigen Autobahnen – könne der Break-even laut Unternehmensangaben bereits nach drei bis dreieinhalb Jahren erreicht werden. MAN-Fahrzeuge verbrauchen demnach im Schnitt rund eine Kilowattstunde pro Kilometer und schaffen damit Reichweiten von bis zu 500 Kilometern ohne Zwischenladung – ausreichend für mehr als die Hälfte aller typischen Transportaufgaben.

Besonders wirtschaftlich werden E-Lkw dann, wenn Unternehmen eigenen Solarstrom einsetzen können. Kunden, die frühzeitig in Photovoltaik investiert haben und Strom zu deutlich niedrigeren Kosten beziehen, seien bei klassischen Relationen – etwa der Belieferung von Supermärkten – heute bereits wettbewerbsfähiger als mit einem Diesel-Lkw, so Baumann. Steigende Ölpreise und ihre Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen verstärkten diesen Effekt zusätzlich und machten Unternehmen empfänglicher für den Umstieg auf eigene Stromversorgung.

Wasserstoffantrieb bleibt vorerst Nischenthema

Deutlich zurückhaltender äußert sich der MAN-Vorstand zum Thema Wasserstoffantrieb. MAN baue zwar eine Kleinserie von rund 100 bis 150 Fahrzeugen mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor, sehe aber derzeit keine ausreichende Nachfrage für eine Großserie. Der entscheidende Faktor sei der Preis: An öffentlichen Wasserstofftankstellen lägen die Kosten laut Baumann aktuell zwischen zwölf und 18 Euro pro Kilogramm – wirtschaftlich tragfähig wäre der Antrieb erst bei drei bis fünf Euro pro Kilogramm.

Für den batterieelektrischen Lkw hingegen sieht Baumann eine klare Zukunft. MAN prognostiziert, dass E-Lkw bis Anfang der 2030er-Jahre einen Marktanteil von rund 40 Prozent in Europa erreichen werden. Parallel dazu entwickle das Unternehmen den Dieselantrieb weiter – unter anderem im Hinblick auf die Euro-7-Norm – und investiere damit gleichzeitig in zwei Technologiewelten.

Bidirektionales Laden und Megawatt-Laden als nächste Schritte

Als wichtige Zukunftsthemen für die Ladeinfrastruktur nennt Baumann das Megawatt-Laden, das Ladezeiten für Elektro-Lkw erheblich verkürzen soll, sowie das bidirektionale Laden. Dabei können Fahrzeuge als mobile Stromspeicher genutzt und in die Energievermarktung eingebunden werden. Gerade größere Flotten böten hier ein enormes Potenzial, so der MAN-Vorstand.

Den Übergang zur Elektromobilität erwartet Baumann als schrittweisen Prozess: Die meisten Unternehmen würden zunächst einzelne Fahrzeuge ersetzen, Erfahrungen sammeln und dann weitere Fahrzeuge umstellen. MAN ist dennoch überzeugt, dass sich der batterieelektrische Antrieb im Nutzfahrzeugsegment langfristig durchsetzen wird – auch wenn eine genaue Zeitschiene schwer zu nennen sei.