Der bayerische Mineralwasserhersteller Adelholzener hat zwei vollelektrische Sattelzugmaschinen vom Typ MAN eTGX 20.449 BL in Betrieb genommen. Die Elektro-Lkw übernehmen die interne Leergut-Logistik zwischen verschiedenen Lagern und der Abfüllstätte am Produktionsstandort in Siegsdorf – und das rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb.
Mit der Inbetriebnahme ersetzt Adelholzener zwei Diesel-Lkw durch vollelektrische Fahrzeuge. Laut Unternehmensangaben wird der innerbetriebliche Shuttleverkehr damit lokal emissionsfrei. Die beiden MAN eTGX sind mit einer Batterie von rund 400 kWh ausgestattet und transportieren Leergut auf Strecken von bis zu etwa 20 Kilometern rund um den Standort.
Elektro-Lkw im Kurzstreckeneinsatz: Warum der MAN eTGX?
Der MAN eTGX wurde ursprünglich als Langstreckenmodell entwickelt. Mit der maximalen Batteriekapazität von 534 kWh erreicht er laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 570 Kilometern. Adelholzener nutzt die elektro Sattelzugmaschine bewusst mit einer kleineren Batterie – angepasst an ein Einsatzprofil, das kurze Strecken, aber einen permanenten Fahrbetrieb ohne lange Standzeiten erfordert.
Die entscheidende technische Herausforderung liegt im Ladeverhalten: Da die Fahrzeuge durchgehend im Einsatz sind, bleibt für das Nachladen nur die gesetzlich vorgeschriebene Lenkzeitpause der Fahrer – in der Regel 45 Minuten nach jeweils viereinhalb Stunden Fahrzeit. Das Konzept funktioniert, wie MAN-Verkaufsbeauftragter Maik Fischer aus Traunstein bestätigt: Die eTGX hätten gezeigt, dass das reibungslos funktioniere, sagt Fischer laut Unternehmensangaben.
Ladeinfrastruktur: Photovoltaik, Speicher und 400 kW Ladeleistung
Um den Ladevorgang in den kurzen Pausen zu ermöglichen, hat Adelholzener seine bestehende Ladeinfrastruktur gezielt ausgebaut. Am Produktionsstandort war bereits eine große Photovoltaikanlage auf den Dächern installiert. Diese wird nun durch einen neu errichteten Batteriespeicher als Puffer sowie eine Elektro-Lkw-Ladestation mit zwei Ladepunkten und einer Gesamtladeleistung von 400 kW ergänzt.
Das Zusammenspiel aus Solarstrom, Zwischenspeicher und Hochleistungslader ermöglicht es, die Fahrzeuge auch bei hohem Energiebedarf zuverlässig innerhalb der kurzen Pausen aufzuladen. Die Kombination ist darauf ausgelegt, Lastspitzen im Netz zu vermeiden und den selbst erzeugten Strom möglichst direkt zu nutzen.
Schöpfungsbewahrung als Unternehmensphilosophie
Für Adelholzener ist die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer übergeordneten Unternehmensstrategie. Adelholzener-Geschäftsführer Peter Lachenmeir erklärt laut Unternehmensangaben, die neuen Fahrzeuge reduzierten die Transportemissionen am Standort weiter und machten den innerbetrieblichen Verkehr lokal emissionsfrei.
Hintergrund ist die Trägerschaft des Unternehmens: Alleiniger Gesellschafter von Adelholzener ist der katholische Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Die Bewahrung der Schöpfung gilt als Leitgedanke des Ordens, die erwirtschafteten Gewinne fließen vollständig in soziale und kirchliche Einrichtungen. Die Transformation hin zu elektrischen Lastkraftwagen steht damit auch im Kontext dieser Wertehaltung.
Mit dem Schritt in die Elektromobilität reiht sich Adelholzener in eine wachsende Zahl von Lebensmittel- und Getränkeproduzenten ein, die ihre Werks- und Nahlogistik auf elektrische Lkw umstellen. Der MAN eTGX ist seit Ende 2024 auf dem Markt erhältlich.