Das britische Startup Voltempo entwickelt einen autonomen Elektro-Lkw ohne Fahrerkabine – und setzt damit auf ein Konzept, das den Gütertransport grundlegend verändern könnte. Das als „Smart Trailer" bezeichnete Fahrzeug soll 15,6 Meter lang sein, fünf Achsen haben und ein zulässiges Gesamtgewicht von 42 Tonnen erreichen. Ein erster Prototyp ist für September 2027 geplant.
Kern des Konzepts ist der vollständige Verzicht auf eine Fahrerkabine. Dadurch entfallen sowohl Gewicht als auch Bauraum, was laut Unternehmensangaben zu rund 15 Prozent mehr Ladevolumen gegenüber einem konventionellen Auflieger führen soll. Zusätzlich rechnet Voltempo mit fünf bis sieben Tonnen mehr Nutzlast – ein erheblicher Vorteil gegenüber herkömmlichen elektrischen Sattelzügen.
Deutlich leichter als konventionelle E-Lkw
Der Gewichtsunterschied zwischen dem Voltempo-Fahrzeug und bestehenden elektrischen Lkw ist beträchtlich. Während ein konventioneller E-Sattelzug rund 19 Tonnen Eigengewicht auf die Waage bringt, soll der Smart Trailer lediglich zehn bis zwölf Tonnen wiegen. Diese Gewichtsersparnis ist maßgeblich für die deutlich höhere Nutzlast, die das Fahrzeug ermöglichen soll.
Gebaut wird der Prototyp vom Karosseriebauer Berkeley Coachworks. Den elektrischen Antriebsstrang soll ein bislang nicht namentlich genannter großer Lkw-Hersteller beisteuern. Angaben zu Batterie, Reichweite und Ladeleistung hat Voltempo bislang nicht gemacht.
Testbetrieb in Wales, Auslieferungen ab 2028
Nach Fertigstellung des Prototyps sind Tests auf einer Strecke für autonome Fahrzeuge in Südwales vorgesehen. Im Anschluss könnte auch der Einsatz auf öffentlichen Straßen folgen. Als erstes Einsatzgebiet sieht Voltempo fest definierte Logistikrouten – ein Bereich, der sich für den autonomen Betrieb besonders eignet.
Die Produktion soll laut Unternehmensangaben noch Ende 2027 anlaufen, erste Auslieferungen sind für Mitte 2028 geplant. Zunächst sollen die Fahrzeuge in Großbritannien gefertigt werden, später auch auf dem europäischen Festland. Neben der höheren Transportkapazität nennt das Unternehmen den zunehmenden Fahrermangel als weiteren Grund für das fahrerlose Konzept.
Autonome E-Lkw: Voltempo nicht allein
Voltempo ist nicht das einzige Unternehmen, das an autonomen Elektro-Lkw arbeitet. Das schwedische Startup Einride hat ebenfalls einen fahrerlosen E-Lkw entwickelt – den als eBot bekannten Gen 2 Rigid Large. Während dieser sich noch im Prototypenstadium befindet, kooperiert Einride inzwischen mit DAF, um gemeinsam einen autonomen Elektro-Lkw für den kommerziellen Einsatz nach SAE Level 4 zu entwickeln. Erste Tests der Schnittstellen zwischen Einrides Fahrsystem und der E-Lkw-Plattform von DAF sollen noch 2026 beginnen.
Beide Konzepte zeigen, dass fahrerlose Elektro-Lkw nicht länger reine Zukunftsvision sind. Ob sich das Voltempo-Konzept im hart umkämpften Markt für elektrische Lastwagen durchsetzen kann, wird sich spätestens nach Abschluss der Testphase in Wales zeigen.