Munich Electrification präsentiert auf der IAA Transportation ein neuartiges Solid-State-Relais für Hochspannungssysteme in Elektro-Lkw und anderen elektrischen Nutzfahrzeugen. Das sogenannte ME SSR ersetzt mechanische Schütze und pyrotechnische Einwegsicherungen durch eine Halbleiter-Schaltung, die die Batterie mit dem Antriebsstrang koppelt und beide Systeme im Bedarfsfall in Mikrosekunden sicher voneinander trennt.
Mechanische Schütze verschleißen bei hohen Schaltzyklen, und pyrotechnische Sicherungen sind nach einmaligem Auslösen unbrauchbar. Für Flottenbetreiber, deren Wirtschaftlichkeit direkt von der Fahrzeugverfügbarkeit abhängt, bedeutet das Reparaturaufwand und ungeplante Standzeiten – ein Problem, das laut Munich Electrification bei OEMs und Zulieferern bereits früh in der Systemkonzeption adressiert werden muss.
Verschleißfreier HV-Trenner für Elektro-Lkw ohne Lichtbogenbildung
Das ME SSR schaltet Hochspannungsstromkreise rein elektronisch – ohne mechanischen Verschleiß und ohne Lichtbogenbildung, wie das Unternehmen mitteilt. Die Abschaltzeit liegt nach Unternehmensangaben bei unter fünf Mikrosekunden. Anders als herkömmliche Schmelzsicherungen ist die Schutzfunktion softwaredefiniert: Die Trennvorrichtung lässt sich konfigurieren, kann sich selbst testen, um latente Fehler zu erkennen, und liefert Betriebsdaten zur vorausschauenden Fehlererkennung. Nach einem Kurzschluss oder einer Störung im Hochspannungssystem bleibt das Gerät betriebsbereit und muss nicht ausgetauscht werden.
Die Komponente ist speziell für die Anforderungen im Nutzfahrzeugbetrieb ausgelegt – mit Blick auf Schaltzyklen, Vibrationen und Dauerbelastungen, die im Schwerlast- und Verteilerverkehr auftreten. Das gilt auch für Einsatzszenarien wie Parken, Wartungsarbeiten oder Systemstörungen, bei denen eine zuverlässige Trennung zwischen Batterie und Antriebsstrang sicherheitsrelevant ist.
Zwei Varianten: Drop-in-Lösung und integriertes Modul
Munich Electrification bietet das ME SSR in zwei Ausführungen an. Als eigenständige Drop-in-Lösung lässt es sich in bestehende Batterie-Trennvorrichtungen (BDUs) integrieren, ohne dass die gesamte BDU neu konstruiert werden muss – gedacht für OEMs, die die Schaltleistung vorhandener Systeme verbessern möchten. Als integriertes Modul vereint es Schalt- und Sensortechnologie in einer Einheit und richtet sich an neue Fahrzeugplattformen sowie Projekte zur Vereinfachung der Systemarchitektur.
Mit dem ME SSR erweitert Munich Electrification sein bisheriges Portfolio – das bisher Zellüberwachung, Strom- und Spannungsmessung sowie funktionale Sicherheit umfasst – um den Bereich der Hochspannungsschalt- und Trenntechnik. OEMs und Zulieferer können künftig Batteriemanagement, Sensorik, Schalttechnik und Sicherheitssoftware aus einer Hand beziehen.
Portfolio-Ausbau mit Blick auf Schwerlast-Lkw
Das ME SSR baut nach Unternehmensangaben auf der Battery-Management-System-Plattform (BMS) von Munich Electrification auf, die bereits in mehreren OEM-Programmen eingesetzt wird – darunter auch bei Schwerlast-Lkw. Für Entwicklungsteams bedeutet der End-to-End-Ansatz weniger Schnittstellen zwischen Einzelkomponenten, geringeren Abstimmungsaufwand und ein reduziertes Integrationsrisiko.
Die IAA Transportation findet vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover statt. Munich Electrification gehört zu den Ausstellern, die dort neue Komponenten für elektrische Nutzfahrzeuge vorstellen. Das ME SSR markiert für das Münchner Unternehmen den ersten Schritt in den Markt für Hochspannungsschalttechnik.