E-Motor ohne seltene Erden: AEM zeigt Titan

AEM präsentiert auf der IAA Transportation den neuen E-Motor Titan – den größten der HDRM-Familie, komplett ohne seltene Erden. Muster ab Q3 2027 verfügbar.

Das britische Startup Advanced Electric Machines (AEM) präsentiert auf der IAA Transportation in Hannover die nächste Entwicklungsstufe seiner Elektromotoren-Technologie für schwere Nutzfahrzeuge. Im Mittelpunkt steht der neue E-Motor mit dem Namen Titan – der bislang größte und drehmomentstärkste Motor der HDRM-Familie des Unternehmens. Erste Muster sollen im dritten Quartal 2027 für Heavy-Duty-Anwendungen verfügbar sein.

AEM hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2017, hervorgegangen aus der Universität Newcastle, auf einen ungewöhnlichen Ansatz spezialisiert: Die Elektromotoren des Unternehmens kommen vollständig ohne seltene Erden aus. Während die Antriebsstränge vieler Elektrofahrzeuge auf kritische Rohstoffe wie Neodym oder Dysprosium angewiesen sind, setzt AEM nach eigenen Angaben ausschließlich auf Materialien wie Stahl und Aluminium. Das Unternehmen gibt an, sogar auf den Einsatz von Kupfer zu verzichten.

Titan: Größter E-Motor für den Schwerlastverkehr

Der neue Motor Titan bildet die Spitze der HDRM-Motorenfamilie, die AEM bislang für Nutzfahrzeuge und industrielle Anwendungen entwickelt hat. Konkrete technische Daten zu Leistung und Drehmoment nennt das Unternehmen im Vorfeld der Messe nicht. Auf der IAA Transportation, die vom 15. bis 20. September in Hannover stattfindet, präsentiert AEM den Motor zunächst als detailliertes 3D-Modell, das Besuchern einen ersten Einblick in die Heavy-Duty-Plattform der nächsten Generation geben soll.

CEO James Widmer erklärt dazu: „Titan ist ein wichtiger Schritt für die Elektrifizierung von Heavy-Duty-Anwendungen und baut auf einer Plattform auf, die unsere Kunden bereits kennen und der sie vertrauen." Widmer betont zudem, dass die Technologie darauf abziele, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen, indem die Abhängigkeit von seltenen Erden reduziert werde.

HDRM150: Luftgekühltes Antriebssystem als Drop-in-Lösung

Neben dem Titan zeigt AEM auf der Messe auch das integrierte, luftgekühlte E-Antriebssystem HDRM150. Dieses System ist als leicht einbaubare Drop-in-Lösung konzipiert und richtet sich laut Unternehmensangaben vor allem an anspruchsvolle Nebenanwendungen im Off-Highway-Bereich. Der Hilfsmotor arbeitet mit bis zu 700 Volt und erreicht eine Spitzenleistung von rund 30 Kilowatt.

Das HDRM150 kombiniert den gleichnamigen Motor mit einem luftgekühlten Wechselrichter und kommt ebenfalls ohne seltene Erden sowie ohne Flüssigkeitskühlung aus. In einem Demonstrator am Stand des Zulieferers SAF-HOLLAND ist das System als Generator zur regenerativen Energierückgewinnung in einer E-Achse zu sehen. AEM selbst ist in Halle 12 am Stand B40 vertreten.

Finanzieller Druck trotz technologischer Fortschritte

Die Messepräsenz fällt in eine wirtschaftlich angespannte Phase für AEM. Der Umsatz des Unternehmens war in den Vorjahren deutlich zurückgegangen und lag zuletzt bei rund 2,9 Millionen Pfund im Jahr 2024, wie aus Unternehmensangaben hervorgeht. Gleichzeitig stieg der Verlust auf etwa 8,3 Millionen Pfund – auch weil mit Tevva Electric Trucks ein Hauptkunde weggebrochen war und Lagerbestände abgeschrieben werden mussten.

AEM entwickelt seine Technologie dennoch weiter und meldete zuletzt zwei gewonnene Entwicklungsaufträge aus der Pkw-Industrie. Mit dem Titan und dem HDRM150 richtet sich das Unternehmen nun gezielt an den Markt für elektrische Lkw und schwere Nutzfahrzeuge – einem Segment, in dem die Nachfrage nach Antriebslösungen ohne kritische Rohstoffe wächst.