Elektro-Lkw: EU-Markt wächst – Deutschland vorn

ICCT-Bericht: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 14.300 Elektro-Lkw und emissionsfreie Nutzfahrzeuge in der EU zugelassen. Deutschland führt den Markt an.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der Europäischen Union rund 14.300 emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge neu zugelassen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor, der die Entwicklung des europäischen Nutzfahrzeugmarkts für die Monate Januar bis Juni 2026 analysiert. Die Zahlen zeigen: Der Anteil elektrischer Lkw, Transporter und Busse wächst – wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Deutschland nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.

Als emissionsfrei gelten laut ICCT neben batterieelektrischen Fahrzeugen auch solche mit Brennstoffzellenantrieb oder anderen nicht-verbrennungsbasierten Antrieben. Die Daten stammen vom Marktforschungsunternehmen Dataforce und umfassen alle 27 EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Malta.

Elektro-Lkw und Transporter: Segmente im Überblick

Bei mittelschweren Lkw und Transportern zwischen 3,5 und 12 Tonnen lag der Anteil emissionsfreier Modelle bei 21,1 Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind Fahrzeuge wie der Mercedes eSprinter, der seine Marke zum größten Anbieter in diesem Segment macht, sowie der Ford E-Transit. Im Bereich der schweren Lkw über 12 Tonnen betrug der Anteil emissionsfreier Neuzulassungen 2,3 Prozent – gemessen an insgesamt 146.000 verkauften Fahrzeugen. Besonders stark wuchs dieser Wert in Deutschland, wo emissionsfreie Fahrzeuge fast 5 Prozent aller Neuzulassungen schwerer Lkw ausmachten.

Begünstigt wird das deutsche Wachstum durch politische Maßnahmen: Emissionsfreie Lkw sind in Deutschland vollständig von der Maut befreit. Deutschland ist zudem mit einem Anteil von 23,2 Prozent der größte Einzelmarkt für schwere Nutzfahrzeuge in Europa. Der elektrische Mercedes eActros ist dabei laut ICCT-Bericht besonders gefragt, und Mercedes hält insgesamt einen Marktanteil von 40 Prozent bei emissionsfreien schweren Lkw.

Elektrobusse überholen Diesel – auch dank EU-Förderung

Besonders dynamisch entwickelt sich der Busmarkt. Der Anteil emissionsfreier Neuzulassungen bei Bussen über 3,5 Tonnen stieg von 22,7 Prozent im ersten Halbjahr 2025 auf 28,6 Prozent im gleichen Zeitraum 2026. Im zweiten Quartal 2026 überstieg der Anteil emissionsfreier Stadtbusse sogar die Marke von 60 Prozent. Diesel-Stadtbusse kamen im selben Quartal nur noch auf einen Anteil von 30 Prozent.

Einen besonders starken Anstieg verzeichnete Italien, wo EU-Fördermittel für die Dekarbonisierung des öffentlichen Nahverkehrs genutzt wurden. Diese Mittel mussten bis August 2026 abgerufen werden – was die beschleunigte Kaufdynamik erklären dürfte. Davon profitierte vor allem der in Italien ansässige Hersteller Iveco, der im zweiten Quartal 2026 rund 700 Elektrobusse allein in Italien verkaufte.

Ladeinfrastruktur für schwere Lkw: Ungleich verteilt

Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für schwere Lkw schreitet voran, bleibt aber uneinheitlich. Bis Juli 2026 waren europaweit rund 4.300 Ladestationen für schwere Lkw in Betrieb – etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Deutschland verfügt mit 1.090 Ladepunkten über die meisten in Europa, gefolgt von Schweden mit 822 und den Niederlanden mit 818. Zusammen entfallen auf diese drei Länder rund 63 Prozent aller europäischen Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge.

Das Megawatt-Ladesystem (MCS), das deutlich schnellere Ladezeiten für schwere Lkw ermöglichen soll, befindet sich noch in einem sehr frühen Einführungsstadium. Im Juni 2026 waren europaweit lediglich vier solcher Ladestationen in Betrieb – in Belgien, Schweden und den Niederlanden. Der weitere Ausbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur gilt als eine der zentralen Voraussetzungen für eine breitere Marktdurchdringung elektrischer Lkw auf europäischen Fernstrecken.